Ohne Multi-Dimensionales Denken stehen Sicherheit und Freiheit in einem scheinbar unlösbaren Konflikt

Multi-Dimensionales Denken am Beispiel der Corona-Krise

Aktuell befinden wir uns in einer schwierigen Lage. Die Anzahl der Neuinfektionen durch den Corona-Virus geht allmählich zurück. Gleichzeitig warnen Experten vor einer zu frühen Lockerung der Maßnahmen, die uns dorthin gebracht haben. Aber wann und wie kommen wir zurück zu normalen Abläufen? Multi-Dimensionales Denken zeigt uns hier einen Weg.

Das Exit-Dilemma des Krise

Die Abwägungen, die getroffen werden müssen, sind klar. Auf der einen Seite haben wir ein großes Interesse an ausreichend Sicherheit für unsere Bevölkerung. Risikogruppen zu isolieren ist keine Option, da sich dieses über einen längeren Zeitraum kaum umsetzen lässt. Und wir wissen ebenso, dass wir bei einem erneuten Anstieg der Fallzahlen schnell wieder an unsere Grenzen kommen. Die damit verbundene Überlastung des Gesundheitssystem würde auch zum Risiko für die restliche Bevölkerung werden. Also ist Geduld gefragt.

Auf der anderen Seite sehnen wir nicht nur nach unseren Freiheiten zurück. Nein, wir brauchen diese auch, um die ökonomischen Auswirkung der Krise irgendwie wieder einfangen zu können. Jeder zusätzliche Tag in der Selbstisolation nagt nicht nur an den Nerven vieler Bürger. Immer mehr sind auch von existenziellen Problemen geplagt, wenn nicht schnell wieder ein Einkommen entsteht. Von den nicht abwägbaren Auswirkung auf die Wirtschaft und die Unternehmen ganz zu schweigen. Also so schnell zurück zur Normalität.

Ohne Multi-Dimensionales Denken stehen Sicherheit und Freiheit in einem scheinbar unlösbaren Konflikt

Um den Konflikt aufzulösen, reicht es nicht für und wider der beiden Seiten abzuwägen und Linien zu ziehen, bei deren Erreichung wir Maßnahmen lockern oder wieder anziehen. Es geht um das sinnbildliche Überleben in der aktuellen Situation. Dieses benötigt gleichzeitig Sicherheit und Freiheit. In vielen der aktuellen Diskussionen geht es aber genau um die Abwägung der beiden. Und das führt immer wieder zu der Frage mehr Sicherheit oder mehr Freiheit.

Multi-Dimensionales Denken als Ausweg

Um aus solchen Zwickmühlen herauszukommen, empfiehlt es sich einen Blick auf das Multi-Dimensionale Denken zu werfen. Beim Multi-Dimensionalen Denken handelt es sich um einen Teilaspekt des System Thinking (oder eingedeutscht Systemdenken). Während sich das System Thinking allgemein mit der Betrachtung von Zusammenhängen, Wirkungskreisen, Eigenheiten von Einheiten in einem dynamischen Systems beschäftigt, adressiert das multi-Dimensionales Denken festgefahrene Situationen, in denen sich Teilaspekte scheinbar unlösbar widersprechen.

In dem vorliegenden Konflikt geht es um die Frage Sicherheit ODER Freiheit. Beide Aspekte sind wichtig für unser Überleben sind. Jedoch schließen sie sich scheinbar gegenseitig aus. Entweder ich investiere weiter in Sicherheit und erhalte die Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus beschränken, oder ich lockere Maßnahmen und gebe den Menschen Freiheiten zurück, die ihnen ein geregeltes Leben und Einkommen ermöglichen.

Hier setzt das Multi-Dimensionale Denken an. Durch die Hinzufügung einer weiteren Dimension in diese Betrachtung erscheinen die unlösbaren Widersprüche in einem neuen Bild. Ziel ist es dabei, eine neue Dimension zu hinzuzufügen, die die Widersprüche nicht mehr gegeneinanderstellt, sondern diese zusammenführt. Diese dritte Dimension erschafft aus einer bi-polaren Betrachtung einen Raum, der Auswege eröffnet, damit die Widersprüche aufgelöst werden können.

Sicherheit und Freiheit ergänzt im die Dimension Disziplin führt zur Lösung

Disziplin als neue Dimension in der Krise

Im Fall der Corona-Krise hilft uns die Dimension „Disziplin“ weiter. Disziplin bedeutet die Einhaltung bestimmter Routinen. Das ist die Befolgung von Hygieneregeln, wie das regelmäßige Waschen von Händen und das Husten und Niesen in die Armbeuge. Das aber auch weiterhin das Tragen von Atemschutzmasken oder die die Aufrechterhaltung einer physischen Distanz zu unseren Mitmenschen in Bereichen, in denen viele Menschen zusammenkommen. Diese Disziplin bringt Einschränkungen mit sich, ermöglicht aber gleichzeitig die Rückgewinnung von Freiheiten.

Fügen wir Disziplin zu dem Widerspruch Sicherheit oder Freiheit hinzu, ergibt daraus eine „UND“. Disziplin hilft uns weiter, eine notwendige Sicherheit zu garantieren. Gleichzeitig gibt sie uns die Möglichkeit, Freiheiten wiederzuerlangen. Auch wenn Disziplin Freiheiten einschränkt, ermöglicht sie die Rückkehr zu einer Normalität, die weiterhin die Sicherheit berücksichtigt. Ebenso wird Disziplin uns alleine keine Sicherheit geben. Unter dem Aspekt der notwendigen Freiheit erscheint sie aber ein akzeptables Mittel zu sein.

So entsteht durch eine zusätzliche Dimension in der Krise ein Konstrukt, das mit Freiheit und Sicherheit und Disziplin zu einem gangbaren Ausweg wird.

Multi-Dimensionales Denken als Systemisches Tool

Was sich anhand der Corona-Krise sehr gut zeigen lässt, ist die Mächtigkeit des Multi-Dimensionalen Denkens. Aus gerade noch ausweglosen Situation entstehen neue Möglichkeiten. Das funktioniert nicht nur anhand dieses Beispiels, sondern lässt sich auch auf jeden anderen Konflikt projizieren. Das Vorgehen ist denkbar einfach:

  1. Konflikt aufzeigen und benennen: warum besteht der Konflikt und was sind die Gegensätze, die gelöst werden muss? (im Fall Corona: Sicherheit vs. Freiheit)
  2. Gemeinsamen Nenner erörtern: worin bestehen Gemeinsamkeiten und was ermöglicht Bewegung im Konflikt? (im Fall Corona: „Überleben wollen“)
  3. Neue Dimension definieren: was erzeugt einen zusätzlichen Raum, der die Aufrechterhaltung der Positionen ermöglicht, gleichzeitig aber einen Ausweg aufzeigt? (im Fall Corona: Disziplin)

Ein wichtige Rolle bei der Umsetzung kommt dabei der Rolle eines Facilitators zu. Einzelne Parteien sind bei eingefahrenen Konflikten häufig in ihrer Dimension gefangen sind. Ein Facilitator muss dafür sorgen, dass in der Auseinandersetzung ein grundlegender Respekt und gegenseitige Empathie aufgebaut wird. Dadurch schafft er oder sie einen Raum für einen gemeinsamen Lösungswillen. Außerdem ist er/sie in der Lage, durch die Wahrung von Neutralität im Konflikt eine neue Dimension zu definieren, die von beiden Seiten akzeptiert werden kann.

Multi-Dimensionales Denken in der Praxis

In der Corona-Krise wird die Methode des Multi-Dimensionalen Denkens bereits aktiv praktiziert. Dort sind es unsere Politiker, die die Rolle des Facilitators übernommen haben und zwischen den unterschiedlichen Bestrebungen in der Gesellschaft moderieren. Sie sind es auch, die aktuell die Akzeptanz für die Dimension der „Disziplin“ forcieren und uns damit einen Weg aus der Krise bereiten.

Im Unternehmen kann Multi-Dimensionales Denken genauso helfen, Wege aus Krisen zu finden und zusätzlich beträchtliche Potenziale zu heben, die durch Widersprüche und gegensätzliches Handeln blockiert werden. Aber auch dort wird der Facilitator eine wichtige Rolle einnehmen – durch die Einbringung von Lösungswillen, Neutralität und der Fähigkeit zu handeln.

Über den Autor:

Harald Dietrich hat sich über viele Jahre einen Ruf als System Thinker und pragmatische Führungsperson erarbeitet. Seit Anfang 2020 hat er sich als unabhängiger Change Agent selbstständig gemacht, um Teams und Unternehmen bei der nachhaltigen Planung und Umsetzung von Veränderungen zu helfen. Mit einem tiefgehenden Verständnis für Mitarbeiter und Teams, Prozessen und Technologien, als auch Strategien und Unternehmensführung ist er prädestiniert, um zwischen den unterschiedlichen Ebenen und Bedürfnissen in einer Organisation zu vermitteln. Ins Zentrum seiner Aktivitäten hat er das Schaffen notwendiger Grundlagen  und eine Befähigung hin zur selbstbestimmten Fortführung gestellt. Zudem hat er mit New Rules United ein Unternehmen gegründet, dass sich der optimalen Vernetzung von Mitarbeitern und einem dynamischen Organisationsdesign widmet. 

Homepage: https://hdietrich.net/

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