Titelbild: Selbstorganiation fördern

Wieso sollte ich Selbstorganisation fördern?

„Nur wer sich getäuscht hat, kann enttäuscht werden.“

Als Führungskraft möchte ich gerne Enttäuschungen im Job vermeiden. Sollte ich deswegen in meinem Team die Selbstorganisation fördern? Gerade wenn Themen komplex werden oder die Zeit drückt, scheint das auf den ersten Blick nicht unbedingt der richtige Ansatz zu sein. Ich denke trotzdem, dass es gute Argumente für den Weg in mehr Selbstorganisation gibt. Denn wenn ich mich in meinen Annahmen getäuscht sehe, liegt das im Wesentlichen an meiner falschen Einschätzung des „Können“.

Annahmen auf Basis eigener Vorstellungen

Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich Annahmen basierend auf meinen eigenen Vorstellungen treffe. Anstatt abzuklären, was andere für möglich halten, setze ich meine Hoffnung auf das, was ich gerne sehen würde. Das „Wollen“ alleine ist aber nicht genug.

Um Enttäuschungen zu vermeiden und mich besser an den vorhandenen Potenzialen auszurichten, muss ich andere mit einbeziehen, um Möglichkeiten zu verstehen und ihre Potenziale zu nutzen.

Können muss nicht hinter Wollen zurückstehen

Mir hilft dabei die Erfahrung, dass das „Können“ nicht hinter dem „Wollen“ zurückstehen muss. Widersprüche zu dem, was ich gerne will, führen nicht automatisch zu Abstrichen in den Ergebnissen. Viel mehr kann die Berücksichtigung des „Können“ zu erstaunlichen Ergebnissen führen. Denn häufig ist es viel mehr, als das, was ich selber im Blickfeld habe.

Für mich ist die Anerkennung des „Können“ der wesentliche Grundzug von Selbstorganisation. Wenn ich meine eigenen Vorstellungen zurücknehmen kann und die Kontrolle über das Vorgehen übergebe, können andere ihr „Können“ voll entfalten und mich vor Enttäuschungen bewahren.

Vertrauensvorschuss in das Können

Die Übergabe der Kontrolle bedeutet einen Vertrauensvorschuss in das Können anderer. Dieses Vertrauen darf ich aber nicht als Vorschuss auf die Ergebnissen sehen. Die Ergebnisse sind und bleiben begrenzt durch das „Können“. Allerdings muss die Einschätzung des „Können“ auch dem Machbaren entsprechen. Der Vertrauensvorschuss bezieht sich auf diese Einschätzung.

Ich will Selbstorganisation fördern und den Vertrauensvorschuss rechtfertigen. Deswegen engagiere ich mich auch dafür, dass andere ihre Einschätzung des eigenen Könnens in Einklang mit dem Machbaren bringen.

Wissen fördern und Sicherheit schaffen

Selbstorganisation fördern ist auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Können
Kritische Auseinandersetzung mit dem Können

Meine Aufgabe muss es sein, Wissen zu fördern und Sicherheit zu schaffen bezüglich des Könnens. Dazu gehört auch eine kritische Gegenüberstellung der Einschätzung des Könnens mit dem tatsächlich Erreichtem. Nur so kann ich für mich selber erkennen, wo ich andere fördern kann. Und darum geht es für mich: Selbstorganisation fördern heißt Können fördern.

Der ein oder andere mag darin direkt die Rolle eines Agilen Coach oder Scrum Master sehen. Davon nehme ich aber Abstand. Auch wenn es agile Rollen gibt, die diese Aufgaben übernehmen, ist das beschriebene Vorgehen für mich nicht an irgendwelchen agilen Vorgehen gebunden. Viel mehr möchte ich ja Selbstorganisation fördern. Und dazu gehört auch die freie Wahl des geeigneten Vorgehens, das gegebenenfalls alles andere als agil sein kann.

Ein Ausgleich für gestresste Organisationen

Wenn ich erfolgreich in der Umsetzung bin, vermeide ich durch die Förderung von mehr Selbstorganisation in Zukunft viele Situationen, in denen ich mich in der Vergangenheit getäuscht habe. Ich werde dadurch weniger Enttäuschungen erleben und kann mich viel mehr an den für mich überraschenden Möglichkeiten anderer erfreuen.

Selbstorganisation zu fördern heißt für mich, einem befriedigenderen Ansatz zu folgen. In Zeiten von gestressten Organisationen, in denen Komplexität Tag für Tag zuzunehmen scheint, wird das für mich zum wichtigen Ausgleich.

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